Hochsensibles Riechen
"Es duftet so gut."
"Hier stinkt´s."
"Da liegt ein ganz besonderer Duft, hier in der Luft."
"Hmm.. da werden Erinnerungen wach."
"Duftwolke hinterlassen."
Sprüche gibt es einige zum Riechen.
Mein Geruchssinn ist hochsensibel. Kennst du das?
Es begann einst, als ich ein kleines Kind gewesen bin. Backte Mama oder Oma einen Kuchen, duftete es so gut im ganzen Haus. Es macht Spass drinnen zu bleiben und zu genießen.
Angenehme Düfte lassen sich genießen. Sie tun der Seele gut. Wir fühlen uns rundherum wohl. Sie sind flüchtig. Sie verfliegen. Viel zu schnell.
Unangenehme Düfte haften. Sie bleiben uns noch lange in der Nase hängen. Duftwolken aus Parfüm oder After Shave kleben regelrecht an uns. Ähnlich ist es mit modrigen, fauligen und stinkenden Nuancen. Wir brauchen lange, sie wieder loszukiregen.
Eine hochsenble Nase zu haben hat allerlei Tücken und Nebenwirkungen. Duftstoffe in Kosmetika können schon zu einem riesen Hindernis werden. Laut Testergebnissen sind sie supergesund zu verwenden. Der Duft dagegen, der den Produkten beigesetzt ist, macht krank. Mich. Dich?
"Das bildest du dir nur ein." Kennst du den Satz?
Tja. Gerüche sind unsichtbar. Sie sind flüchtig. Gerade noch anwesen, sind sie ein kleines Stück weiter nicht mehr präsent. Dies ist mir oft bei einem Spaziergang in der freien Natur aufgefallen. Ich rieche das frisch gemähte Gras. Mein Mann bemerkt nichts. Ein paar Meter weiter bemerkt er den Duft des Waldes. Ich bin ratlos, was er meint und wo das ist.
Haben wir uns die Naturaromen nur eingebildet?
Nein. Sie waren real. Mein Mann ist größer als ich. Er hat eine andere Perspektive als ich. Das ist ähnlich wie bei den Augen. Hältst du ein Auge zu und schaust dir dein Umfeld an, wird es vom anderen Auge anders dargestellt. Um exakt den gleichen Duft riechen zu können, müssten wir gleichzeitig mit unserer Nase am gleichen Ort sein. Als unterschiedliche Naturen ist dies nicht erreichbar. Also bleibt es dabei, dass das, was einer riecht, für den anderen nicht unbedingt wahrnehmbar ist.
Ein hochsensibles Riechen zu haben ist manchmal lästig. Es schränkt mich in meinem freien Leben ein. Ich muss vorsichtigst darum bitten keine Düfte in meiner Nähe zu verwenden. Ich muss noch achtsamer jemanden sagen, dass er zu viel Parfüm aufgetragen hat und mir davon schlecht wird. Dumme Sprüche und Unverständnis drängt sich mir entgegen. Also versuche ich irgendwie diplomatisch von unangenehmen Gerüchen wegzukommen.
Gerüche verbreiten, die dem einen gefallen und den anderen krank machen, dies anzusprechen ist ein Tabu-Thema. Ich bin betroffen und fühle mich ziemlich alleine mit dieser Fähigkeit, die zugleich eine Beeinträchtigung ist.
Mehr riechen können ist auch eine Fähigkeit. Hell-Riechen nennt sich diese Gabe- Dinge riechen, die sich erst später real präsentieren hat den Vorteil mich auf diese vorzubereiten. Ich bin vorgewarnt.
Mir fällt gerade auf, dass ich von keinen positiven und schönen Dufterlebnissen schreiben kann, die ich mittels Hell-Riechen zu einem früheren Zeitpunkt mitgeteilt bekomme.
Alles begann als Kind.
Ich war noch ganz jung an Jahren. Damals gab es sogenannte "Säueimer". Haushalte hatten Eimer, in denen sie die übrig gebliebenen Nahrungsreste, die keiner mehr aß, für die Schweine im Stall sammelten. Daraus entsträmten teilweise sehr unangenehme Duftwolken. War es warm, waren die Ausströmungen stärker. Im Winter waren sie kaum wahrnehmbar für mcih. Zu diesem Zeitpunkt "schwor" ich mir: "Ich werde nur so viel kochen, dass alles aufgegessen wird." So händele ich es bis heute. Bleibt etwas übrig, wird es zum Abendessen verspeist.
Später, in der Pubertät gab es einen neuen aufdinglichen Duft. Aufgewachsen bin ich in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die selbst aufgezogenen Schweine wurden auf dem Hof geschlachtet. Das Blut wurde in Behältern aufgefangen. Daraus entstand später die Blutwurst.
So etwa mit 11 Jahren bekam ich ein eigenes Zimmer. Während der Zeit der Hausschlachtung wurden die Eimer mit dem Blut in meinem Zimmer aufbewahrt. Das Blut stank. Denke ich heute daran ist mir ein Rätsel, dass ich in diesem Raum schlafen konnte. Folge war, dass ich nie Blutwurst essen konnte. Durch meinen Mann lernte ich mich ihr anzunähern und versuchte eines Tages diese Wurst. Sie schmekcte mir sogar. Ein paar Bissen ist ok. Mehr geht dann nicht mehr.
Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass ein fauliger Apfel anders riecht als ein gesunder. Mein Mann kann nicht nachvollziehen, dass ich anhand des Riechens erkenne, ob der Apfel noch gegessen werden kann, oder nicht. In diesem Sinne ist das sensible Riechen eine Gabe. Am Duft erkennen können, was gesund ist und was belasted ist ist hilfreich.
Wie ergeht es dir mit deiner Nase und ihrer Wahrnehmung?
Deine Erfahrungen interessieren mich. Über einen Kommentar freue ich mich.
co Michaela Aust
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