"Wir sind doch alle ein bisschen traumatisiert."

Veröffentlicht am 17. April 2026 um 11:03

Wir sind verstimmt.
Wir fühlen uns mit unserem Schmerz ganz alleine.
Es tut so weh.
Was tut so weh?

So ganz konkret können wir es nicht sagen. Wir überlegen und finden irgendetwas, das schuld ist. Eine Person, ein Umstand, ein Ereignis, eine Beziehung. Wir wissen nur eines, dass es gerade eben nicht mehr stimmt. Die Atmosphäre ist anders geworden.

Wir fühlen uns unwohl und möchten am liebsten weg gehen.
Der andere soll "gefälligst seine Koffer packen und gehen".

Schnell sind die Verursacher gefunden, warum es uns so geht, wie es gerade ist: schlecht. Wir schauen in das aktuelle Geschehen und Erleben hinein.

Ja, es ist ein aktuell gespürtes Unwohlsein.
Und es ist eine alte Wunde, die wieder neu aufgerissen wurde und blutet.
Kennst du das?

Traumata zu haben wird geheim gehalten.
Es darf keiner merken, hat einmal eine bekannte Psychoanalytikerin bemerkt. Keiner darf merken, dass wir verwundet sind. Wir tun so als ob alles gut wäre. Das gelingt uns.

Das gelingt uns bis zu dem Tag, an dem das Verstecken und alleine mit uns ausmachen nicht mehr funktioniert. Das geht sogar noch über aktuellen Konstellationen von Chaos hinaus. Wir merken nicht, dass es wir selbst sind, die hier die Hauptakteure sind. Warum?

Weil wir zwar spüren, dass das etwas nicht stimmt und wir uns quälen.
Wir meinen der Verursacher sei der aktuelle Umstand, die anwesende Person. Sie hatten das alte Pflaster berührt, das die nie geheilte Wunde verbirgt. Das Pflaster war damals aufgeklebt worden, als die tatsächliche Verletzung geschehen war.

Diese kann körperlicher Art gewesen sein.
Sie kann ein emotionaler Schock gewesen sein.
Sie kann geistige Herabwüdigung und Verspottung geweesen sein.

Alle hinterlassen Spuren im Nervensystem.
Sobald ein Impuls zu uns kommt, der an die Urwunde erinnert, sobald eine Person dem verinnerlichten Menschen in der Urwunde ähnelt, an dem Zeitpunkt beginnen wir die Details durcheinanderzubringen und zu verwechseln.

Was dann entsteht, ist mitunter übel.
Es kommt zu Beschuldigungen, zu Rechtfertigungen, zu Ausschluss, zu Verabschiedung.

Wem hilft dieses Vorgehen wirklich?
Auf Dauer besehen niemanden. Für eine kurze Zeit mögen die Taktiken funktionieren von einer Krankheit zu reden. Ratschläge wegzugehen, sich zu trennen und gleichen dem Pflaster des "so tun als ob nichts geschehen gewesen wäre", aufzukleben.

Um was immer es konkret geht. Allen ist gemeinsam, dass es hier einen Organismus gibt, in dem wir, jeder Einzelnen von uns, drinnen ist. Und wenn wir da eleminieren und "so tun als ob" dann passiert genau das, was wir in der heutigen praktizierten Medizin so normal finden: Wir operieren das Organ weg. Wir entfernen es. Wir geben ein neues hinzu, das ursprünglich in dem Körper gar nicht vorgesehen ist. Und danach wir tun so, als ob nach einer gewissen Zeit alles wieder gut ist.

Der Schmerz hat sich nach dem Schlafen in Luft aufgelöst, hoffen wir.

Wir treiben Sport und meinen die geschmeidige Beweglichkeit käme damit wieder in die mit Säurekristallen durchsetzten Gelenke.

Wir fangen an zu vermeiden.
Wir vermeiden die Person.
Wir vermeiden Orte.
Wir nehmen Abstand von allem, das uns ärgerlich, traurig oder ängstlich macht.

"Nie mehr wieder in so eine Lage kommen". Und alle vorherigen Umstände würden sich in Luft auflösen und nie mehr passieren. 

Was ist, wenn all diese Strategien reine Illusion gewesen sind?
und uns zu einem anderen Zeitpunkt all die unliebsamen Themen wieder begegnen? Dann eleminieren wir weiter. Wie wir es zuvor schon einmal getan haben. Wir meinen, im Rückblick, wir wären damals erfolgreich gewesen.

Ich stelle das Vermeiden in Frage.

Wären die damaligen Trennungen und Verurteilungen tatsächlich hilfreich gewesen unseren Schmerz zu heilen: Wieso begegnet er uns Jahre später schon wieder? Ich sage: Weil es keine Heilung gegeben hatte. Die oben genannten Bewältigungsstrategien sind Schein-Lösungen. Es gibt eine scheinbare Heilung.

So gelange ich zum Klavier.

Was wäre, wenn unser Körper ein Klavier wäre?
Wir spielen die ganze Palette der Tasten und sind glücklich und zufrieden. Dann kommt der Tag, an dem der erste Misston auftritt. Wir spielen weiter und denken es wäre eine Einbildung gewesen. Das war es leider nicht gewesen. Der Misston wird mit jedem Anschlag dieser einen Taste neu ausgelöst. Das Lied ist eine Belastung für die zuhörenden Ohren.

Wir können jetzt so tun als ob wir trotzdem das Klavier noch nutzen können.
Wir spielen Stücke, und nehmen einen anderen Ton oder wir spielen nur noch Stücke, in denen diese Taste gar nicht gebraucht wird. So gehen wir mit unseren traumatischen Schmerzen um. Aus dem Weg gehen. Den Schwerpunkt auf etwas anderes legen. Für eine gewissen Zeit geht das gut.

Wir meinen mit der Einschränkung leben zu können.
Das gelingt uns auch recht gut, weil wir uns an den fehlenden Ton gewöhnt haben.

Dann passiert etwas Unvorhergesehenes.

Ein völlig neues Lied kommt zu uns. Voller Freude sind wir hochkonzentriert auf die richtige Spielweise und haben die verstimmte Taste vergessen. Oh weh. Sie klingt schräg. Wir haben es jetzt ganz genau gehört. Wir stecken in einem Dilemma. Die vorherigen Strategien von einer anderen Taste mit einem ähnlichen Ton klingen hier nicht. Es braucht den Ton dieser Taste.

Nach den eingangs erwähnten Vorgehensweise gibt es jetzt die Option:
Wir trennen uns vom Klavier. - Mit unserem Körper gehen wir so um. Mit unseren Mitmenschen ebenso. -
Die Lösung scheint perfekt.
Sie ist ein Schein, denn der Spass daran Klavier zu spielen ist somit vorbei.

Jetzt braucht es neue Überlegungen.
Wie soll es weiter gehen?

Wir haben die Idee von einer Reparatur.
Diese setzt voraus zuzugeben, dass etwas einer Reparatur bedarf. Im realen Leben eine Beziehung zu reparieren geht auch.

Ich muss zugeben, dass das etwas aufwändiger ist und auch herausfordernder, weil das Klavier stumm ist und der andere Mensch ebenso Gefühle hat, ebenso Schmerzen und Traumata, wie wir selbst.

Und selbst hier hilft es anzuerkennen,
dass einer oder sogar beide an einer traumatischen Wunde erneut verletzt und stimuliert wurden, was sehr, sehr weh tut. Es hilft hier zuzugeben, dass die aktuelle Erfahrung eine Wiederholung ist von früheren Erfahrungen, die wie oben beschrieben, gemeint erfolgreich gelöst worden waren.

Stimmt das wirklich?
Wieso gibt es immer noch die gleichen Muster beim Auftreten des erneut stimulierten traumatischen Schmerzes? Ich bitte dich ehrlich zu dir zu sein.Und ich bitte dich nachzudenken, bevor du schnell entgegensetzt: Stimmt nicht.

Menschliche Beziehungen gleichen einem Organismus.
In unseren Körpern können wir auch nicht alles herausschneiden, was gerade schmerzt und nicht mehr richtig funktioniert.

Wieso stellen wir das bei unseren Beziehungen als die Ultralösung hin?

Weil wir verzweifelt sind und uns im Kreis drehen.
Wir können in der wiederbelebten Wunde des traumaitschen Schmerzes nicht mehr klar denken. Dies zugeben, das tun wir leider nicht, dass dem so ist. Dann wären wir ja hilflos. Meinen wir.

Ich sage dir: Zuzugeben, was ist, ist der Schalter, der den Weg zur Lösung befreit, der die Tür öffnet für Hilfe zu suchen, zu finden und anzunehmen. Zuzugeben, dass es bei uns selbst weh tut und vielleicht in uns verhakt ist, hilft aufzuhören anderen Schuld zu geben und sie als (narzisstisch zum Beispiel) krank zu bezeichnen und sie zu verurteilen.

Wir selbst wollen gehört, gesehen und betütelt werden.
Wir werden das von unserem Schöpfer. Das geschieht, auch wenn wir es nicht spüren und bemerken. Wir bekommen x Chancen vom Universum, von den Urkräften.

Und was tun wir?
Wir verurteilen, wir beurteilen und weisen zurück.
Wir suchen Zustimmung, wie schlimm der oder das andere ist.

Hilft uns das wirklich aus der Misere auszusteigen?
Nein.

Was uns hilft,ist es den anderen so zu lassen wie er ist. 
Und uns dem Weg der eigenen Heilung öffnen und sie in Anspruch nehmen.
Es hilft darauf zu vertrauen, dass das Universum sich ebenso um die "Bösen da draußen" kümmert.

Wir haben es doch alle verdient geliebt zu sein, oder nicht?
Wer sagt denn, dass du es bist, die dies tun musst?

In meinem Leben hat sich gezeigt:
Wenn ich mich ganz mir selbst und meiner Heilung zugewandt habe und dem Schöpfer, Gott, Spirit, die anderen überlassen habe,
dass sich nach einer gewissen Zeit meine Energie verändert hat.
Mit jedem Tag, mt jeder Woche, wurde es besser mich darauf zu verlassen, dass das Universum sich darum kümmert, wozu meine Macht nicht reichte.

Ich habe aufgehört

übermächtig zu sein
und übergriffig andere zu beschimpfen.

Ich habe mich auf das konzentriert,

wohin ich möchte, was mir persönlich wichtig ist.
Wichtiger als irgendwelche Grabenkrämpfe weiterzuführen.
Ich hörte auf gegen die anderen zu kämpfen.
Ich setzte meine Energie für meinen Weg ein.
Den Rest überließ ich Gott, den Engeln, dem Schöpfer.

Es funktioniert.
Glaubst du mir?
Glaubst du mir nicht?

Es funktioniert trotzdem.
Unserem Schöpfer die Regie zu überlassen und ihm das anzuvertrauen, was mich so sehr gedemütigt und verletzt hatte.

Damit wurde mein Klavier wieder neu eingestimmt.
Die Urwunde konnte tatsächlich heilen.

Und das allerschönste ist: Ich bin nicht alleine.
Ich bin in guter Begleitung. Die Realität folgt dem Prozess. "Wie oben, so unten." 
Zuerst vertraute ich Spirit, Gott, dem Universum. 
Danach begann ich wieder Menschen zu vertrauen. 
Neue Verbindungen entstanden. Geheilte Verbindungen. 
Das tut gut. 

Schamanisches Coaching bietet die Grundlagen zur Heilung. 
Alles hat seinen Preis. 
Krankheit hat seinen Preis.
Heilung hat seinen Preis. 
co Michaela Aust, 16. April 2023

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