Sicher - in Sicherheit sein.
Das Gefühl des sicher seins geht manches Mal auf dem Lebensweg verloren. In meiner schamanischen Tätigkeit habe ich festgestellt, dass wir schon als Baby und Kleinkind so manchen Seelenanteil von uns verloren hatten. Wir wachsen heran und wundern uns über unsere Angst. Die Angst etwas zu wagen, eine Entscheidung zu treffen, nach draußen zu gehen, einen Freund zu haben, und vielerlei Ängste mehr.
Heute möchte ich ein wenig von mir erzählen. Von mir und meiner Oma. Es war eine längere "Reise", bis ich verstand, warum ich immer wieder in den Heilkreisen den Kontakt zu meiner Oma so sehr suchte. Es tat so gut mich an sie anlehnen zu können und ihr nahe sein zu dürfen. Sie ließ es gewähren. Ich fühlte mich sicher und geborgen. Doch irgend etwas fehlte, fehlte immer noch. Es war mir ein Rätsel wieso diese Sehnsucht nach ihr nach mehreren Heilarbeiten immer noch so stark vorhanden gewesen war. Herausschreien des Schmerzes, wie es mir geraten gewesen war, brachte gar nichts. Heute weiß ich auch warum:
Weil der Schmerz gefühlt sein will, und werden muss, damit die ganze Geschichte sich zeigen kann. Erst dann, als ich fühlte, zeigten sich die Bilder und Umstände, warum und weshalb ich so sehr die Nähe meiner Oma gesucht hatte. Zu dem Zeitpunkt war es mir ein Rätsel, welche Oma hier gemeint ist. Die, die bei uns im Haus lebte, oder die andere, weit weg. Die Reise meiner Seelenheilung ging weiter.
In einer erneuten weiteren Heilsitzung kam dieses Thema wieder zum Vorschein. Es war immer noch eine offene Wunde gewesen. Ich könnte jetzt behaupten, all das zuvor wäre Geldverschwendung gewesen. Ich versichere euch, dass dem nicht so gewesen ist. Es braucht mehrere Anläufe aus verschiedenen Richtungen bis die Heilung wieder komplett erreicht ist. Ansonsten wäre es ja Zauberei mit dem Zauberspruch und die gibt es nur im Märchen, was ein Glück ist. Das Ziel der vollständigen Regeneration braucht seinen eigenen Ablauf mit vielen Zwischenschritten auf dem Weg nach vorne zur Ganzwerdung. Und so war es auch in der Geschichte mit meiner Oma gewesen.
Es zeigten sich mir bekannte Bilder von meiner Kindheit, als ich eine Woche bei meinen Großeltern weit weg verbringen durfte. Ich war so glücklich darüber, dass mir mein Wunsch von meinen Eltern gewährt worden war. Was war dann passiert? In einem optisch bekannten und gefühlsmäßig unbekannten Umfeld war ich mir dann irgendwann ziemlich allein und verlassen vorgekommen. Ich vermisste meine Mama so sehr. Meine Oma gab mir ihre ganze Liebe und Zuneigung, die sie hatte und tröstete mich. Es gab dort keinen Spielkameraden. Ich war so alleine. An meine Cousins, die in der Nähe gewesen waren, habe ich keine Erinnerung. Sie spielten also keine Rolle in dem Geschehen.
Dieses Alleinesein und die große Sehnsucht nach dem vertrauten Umfeld von daheim und Mama führten damals zu einem Verlust eines Seelenanteiles bei mir. Ich hatte in dieser schamansichen Arbeit nur zufällig davon erfahren. Ich hätte niemals angenommen, was der Grund gewesen war, mich so arg an meine Oma anzukuscheln und anzuschmiegen. Es war das nach dem Seelenanteilsverlust neu zusammengesetzte Erinnern der alten Geschichte.
Als ich wieder zurück gewesen war, war ich sehr anhänglich geworden. Ich suchte die die Nähe meiner Mama, wo es nur ging. Rückblickend weiß ich, dass dies vielleicht zu eng gewesen war, aufdringlich sagen die Erwachsenen dazu. Nochmals später übertrug sich dieses Verhalten auf fremde Personen, in deren Gegenwart ich verharrte und nicht weggehen konnte. Dieser Seelenanteilsverlust ließ mich die alte Kindergeschichte immer wieder neu wiederholen. Dass dadurch neue seelische Verletztheiten hinzu kamen, könnt ihr euch denken. Ich bemerkte vom Bewusstsein her, was geschah, und von anderswo war ich eine Ferngesteuerte. Ferngesteuert agieren wir einzig aus dem abgetrennten Seelenanteil heraus. Meine Seelenheilung konnte somit mit dem Zurückbringen des Verlustes von einst wieder hergestllt werden.
Ich bemerke dieses "aufdringlich sein" bei einigen Menschen. Es spielt keine Rolle wie schäbig sich jemand verhalten mag, sie bleiben. Es ist sogar so, dass je schlechter diese Person behandelt wird, sie sich noch mehr annähert und bleibt.
Ich bin so dankbar, dass ich die schamanische Seelenrückholung gelernt habe und mit dieser Methode alte Wunden aus alten Geschichten verarztet werden und auch noch nach über 50 Jahren verheilen können. Dabei ist zu beachten, dass es oft mehrerer Anläufe der Annäherung braucht, bis das letzte Teil des Seelenanteiilsverlustes integriert werden konnte. Dies Heilung ist ein großes Geschenk von Vertrauen und Hingabe an solch ein außergewöhnliches Heilverfahren.
Mit dieser Erfahrung hat sich wieder bestätigt:
Es ist in Wahrheit ganz anders gewesen, als zunächst gemeint und gedacht wird. Selbst mit freiwillig getätigten Entscheidungen kann es zu einem Seelenanteilsverlust kommen. Es sind nicht immer die anderen schuld. Es sind die Umstände des dafür oder dagegens. Wie heißt es: "Wer Schuldige sucht, findet Gründe, wer Wege sucht, findet Lösungen."
Die Lösung ist eine Auflösung eines ewigen Kreisverkehrs von Angstgedanken. Die Sicherheit wird hinterher wieder gefühlt. Ich fühle mich sicher, dort wo ich mich, aufhalte bei den Menschen, bei denen ich bin.
co 3.Dezember2021, Michaela Aust
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