Unterbrochene Hin-Bewegung zu Mama

Veröffentlicht am 28. Juni 2026 um 16:37

Die "unterbrochene Hin-Bewegung" zu Mama
erzeugt beim Kind eine Erfahrung von "ins Leere laufen". Es läuft zur Mama hin und kommt nicht an. Mama dreht sich weg. Mama sagt Worte, die das Kind daran hindern, weiter zu gehen. Das Kind stoppt und bleibt stehen. Oder es dreht um und geht wieder zurück.

Das kleine Kind wird von seiner geliebten Mama zurück gewiesen. Es kann sogar von ihr verlacht, verspottet oder beschimpft werden.
"Komm mir nicht nahe."
"Für dich habe ich jetzt gerade keine Zeit. Du siehst, dass ich beschäftigt bin."

Heißt übersetzt:
"Ich bin jetzt überflüssig."
"Mama hat jemand anderes lieber als mich."
"Mama liebt mich nicht."
"Sie mag mich nicht."
"Sie hat für die anderen Zeit, für mich nicht."

"An mir stimmt etwas nicht."
"Ich bin lästig."
"Ich bin eine Belästigung."  

Das Kind fühlt sich ausgeschlossen. Es ist ganz alleine. Keiner ist mehr da. Es ist ins Nirgends hineingeworfen worden. In einem luftleeren Raum. Es findet sich an einem Ort der Leere wieder. Dort fühlt es sich: 
Traurig. Alleine gelassen. Mürbe. Wertlos. Ungeliebt.
Dort flammt der Zorn auf. Das wütende Kind schreit und wütet. Es wird laut in Worten und in seinen Aktionen. Das kleine Kind beginnt zu schreiben, zu wüten, mit den Beinen auf den Boden stampfen und wirft seine Spielsachen weg. 

Dieses Kind 
lebt mit seiner Unterbrochenen Hin-Bewegung zur Mama weiter. Es wird erwachsen. Das Muster bleibt, weil die Wunde noch wütet. Die Wunde ist immer noch aktiv. Sie blieb immer ungeheilt. 

Und dann passiert es. Die erwachsene Version dieses Kindes trifft Menschen. Es fühlt sich zu ihnen hingezogen. Und. Dann. Wird es zurück gewiesen. Das nie verheilte Leiden des einst kleinen Kindes tut so weh, wie es einst mit 2 oder 4 Jahren weh getan hat. Mit einem Anlass der Abwendung reagiert der heute Erwachsene wütend, ist traurig und fühlt sich abgelehnt und allein. Die Wunde der Unterbrochenen Hin-Bewegung wurde erneut aktiviert. Das erneute Spiel von "Sie können zueinander nicht kommen, das Wasser ist viel zu tief" wurde wieder inszeniert. 

Eine andere Weise diesen tiefgehenden Schmerz loszuwerden geschieht darin, andere zurückzuweisen. Absichtlich Nein sagen zu anderen. Absichtlich andere wegschicken. Absichtlich Dinge vorenthalten bzw. zurückhalten um zu sehen, was dann passiert. Das heißt, um zu beobachten, wie sehr der andere sich ärgert und gekränkt abwendet. 

Durch das Zurückweisen der Hinbewegung kam es zu Wunden im Selbstwert. Scham entsteht und will nicht gefühlt werden. Scham wird sofort verdrängt. Keiner soll merken, wie sehr wir getroffen wurden. 

"Wenn die Mama mich nicht lieb hat, wieso sollte es dann ein anderer tun?"
Das Kind und der spätere Erwachsene fühlen sich unwürdig geliebt zu werden. Beide fühlen sich bestraft. Vom Schicksal? Von Gott? Von Mama.

Mama bestraft mich, weil ich etwas angestellt habe, denkt das Kind.
Sie geht weg, weil ich ihr gezeigt habe, wie sehr ich sie liebe.
Vielleicht will sie nicht geliebt werden, von mir.
Warum?
Was ist an mir, dass ich fern bleiben muss?
Was ist mit mir, dass sie Abstand hält von mir? mir aus dem Weg geht?  

Das waren einige Gedanken, die mir aktuell in den Sinn kommen, denke ich an die Unterbrochene Hin-Bewegung zu meiner Mama. Sie wurde neu inszeniert durch ihren Tod. 

Viele Jahre suchte ich nach dem Anlass der "unterbrochenen Hin-Bewegung" zu meiner Mutter. Ich war nicht im Krankenhaus gewesen.
Wo war die Szene, die ich suchte? 

Sie liegt genau 60 Jahre zurück. 
Vor 60 Jahren wurde mein jüngster Bruder geboren. 
Vom Tag seiner Geburt an begann sukzessive die Zurückweisung der kleinen Michaela. Sie war es nicht gewohnt abgelehnt zu werden. Diese Erfahrung war neu. Sie entstand mit der Geburt des jüngsten Geschwisters. Da war die kleine Michaela 2 Jahre alt gewesen. 

Die Gründe warum und weshalb kenne ich nicht. Fragen kann ich auch nicht mehr. Ich kann die Gründe erahnen. Genau wissen und kennen muss ich sie nicht. 

Wichtig ist, dass mir dieses alles jetzt neu präsentiert wird. Die Zeit ist günstig, dass die Wunde der Unterbrechung Heilung erfahren darf. Dafür musste leider der alte Schmerz neu gefühlt werden. Leicht zu tragen war diese Erfahrung nicht. Die Zusammenhänge in einem neuen Kontext erfahren hilft die Trennung zu beenden. Die Trennung von Mama und Kind Michaela. 

Die Trennung fand in meiner Seele statt. Damals. Das war vor 60 Jahren. Es ist unglaublich: Eine Frau mit 60 Jahren wurde durch den Tod ihrer Mutter in das Kind-Ich von 2 Jahren zurück katapultiert. Im schamanischen geht es hier um einen abgespaltenen Seelenanteil. Der getrennt lebende 2-jährige Seelenanteil erinnerte sich an alles, was damals gewesen ist. Ganz besonders fühlte er sich wie damals. Mit dem heute erwachsenen Seelenanteil konnte die 60-jährige Michaela alle getrennten Anteile wieder in sich versöhnen.

Was zunächst aussah wie die Trauer um die Mutter, weil sie gestorben war, wurde zu einer Erinnerung an eine ur-alte Erfahrung. Die 2-jährige hatte ihre Mama verloren gehabt. Die Trauer wurde 60 Jahre später gefühlt. Dadurch konnte Heilung geschehen. Große Heilung. 

Wieder einmal wurde bestätigt: Wir sind nie alt genug um Wunden zu heilen, die längst vergessen sind und Jahrzehnte zurück liegen. Es gbt immer wieder Zeitfenster, in denen die Unterbrochene Hin-Bewegung neu inszeniert wird. Diese Zeitfenster beinhalten die Medizin der Heilung. 

In diesen Phasen braucht es einen Blick aus Adler-Perspektive. Von ganz oben lassen sich Zusammenhänge erkennen von Ereignissen, die lange Zeiten auseinander liegen. 

Pass gut auf dich auf.
Das Leben meint es gut mit dir,
auch wenn es zuerst nicht danach aussieht.
co Michaela Aust

PS
Die "Unterbrochene Ärger-Bewegung" ist Teil dieses Musters. Wurde der Kontakt von Mama und Kind in der Seele wieder hergestellt, hört der Ärger auf und die Ärger-Bewegung läst sich in Luft auf.

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