Parsifal und das Hemd der Mutter.
Seine Mutter wollte, dass er niemals so wird wie sein Vater. Sie tat in ihrer Erziehung alles mögliche, ihn davon abzuhalten ein Ritter zu werden, wie sein Vater.
Dieses Thema betrifft auch uns Frauen. Da heißt es dann: "Werde nie wie dein Vater. Heirate nie einen Mann wie deinen Vater."
Es war die Wunde, die eine Frau erlitten hatte in jungen Jahren ihren Mann durch den Tod zu verlieren. Sie war alleine gelassen zurück geblieben mit dem Sohn Parsifal.
Väter gehen hinaus und verdienen das Geld, das für den Lebensunterhalt gebraucht wird. Die Frauen sind alleine beziehungsweise fühlen sich alleine gelassen. Pflegt dieser Mann dann auch noch seine eigenen Freundeskreise, fühlt sie sich noch mehr zurückgesetzt und außen vor. Damit ihr Kind ihr das niemals so antut, setzt sie, die Mama, alle Hebel in Bewegung, die in ihrer Macht stehen, um den Sohn daheim zu behalten. Sie möchte nicht "schon wieder" verlassen werden. Sie hat damals versäumt sich ihrem Schmerz hinzugeben und den Mann sein Leben zu gewähren. Diese Mama hat versäumt sich mit ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter eines kleines Kindes zu versöhnen. Diese Rolle lässt sie daheim zu Hause verweilen. Sie kann nicht hinaus in die Welt ziehen und fortbleiben, wie es ihr ihr Mann angetan hat.
Parsifal wird von dieser in der Sicherheit verletzten Mutter aufgezogen.
Niemals werden wie sein Papa hat er schon in dieser langen Lebenszeit verinnerlicht. Das Schicksal bringt genau dieses Thema erneut zur Mutter des erwachsenen Parsifal. Denn dieser traf eine Ritter und hatte sich fest in den Kopf gesetzt auch als Ritter in die Welt hinauszuziehen und zu kämpfen. Sie konnte ihn nicht abhalten.
Also gab die Mama dem erwachsenen Sohn gute Ratschläge mit auf den Weg. "Sprich nur, wenn du gefragt wirst. Ehre alle´Frauen."
Solche Sätze gibt es auch für uns Frauen. Da lauten sie anders. "Antworte nur, wenn du gefragt wirst. Stelle keine Fragen. Bleibe sittsam, bescheiden und rein. Bleibe keusch und biedere dich nicht an."
Wie immer die Sätze der Mama gelautet haben mögen, sie haben sich wie ein Hemd um uns gelegt. Durch die Sätze, Gebote und unseren Gehorsam haben wir uns ein unsichtbares Hemd gewebt und trages es unbewusst und unbemerkt mit uns herum. Dieses Hemd können wir wieder ausziehen. Das gelingt, indem du dich deinem inneren Parsifal und seinem Mythos zuwendest und dir eingestehst: "Ja, ich trage so ein Hemd aus Gehorsam, Glaubenssätzen und Ratschlägen meiner Mama. Ja, es hat mich in meinem Leben oft behindert und ich konnte deswegen nicht mein Eigenes leben und demgemäß handeln."
Du kannst dieses Hemd ausziehen. Das gelingt mit schamanischen Zeremonie und ihren weiteren Werkzeugen recht gut.
Parsifal zog hinaus in die Welt als Ritter. Er verließ die Mama mit ihrem für ihn speziell gewebtem Hemd. Parsifal vergaß irgendwann, dass er damit angezogen war. Die Wirkung zeigte sich oft. Das geschah bei seinem Lehrer und Mentor, bei Frauen und am Königshof des Fischerkönigs. Er gefiel sich in seiner Rolle als Ritter recht gut. Bis ihn eine ältere Frau lächerlich am Hofe des König Artus lächerlich machte. Bei uns Frauen ist dies ein Mann, der uns öffentlich in geselliger gemütlicher Runde verhöhnt und verspottet. Es ist eine alte Person des anderen Geschlechtes, die uns im Leben beobachtet hatte und uns unsere Defizite und Versäumnisse öffentlich vorhält und uns somit dem Spott und Gelächter der anwesenden Freunde und Gesellschaft aussetzt.
Unser Lehrer und Mentor ist ebenso vom gleichen Geschlecht wie wir selbst. Dieser erneuert die Ratschläge der Mama. Er kennt sie gar nicht und wiederholt sie wortgetreu: "Lass dich nicht verführen und verführe niemanden." sagt der männliche Mentor zum Mann. Die weibliche Lehrerin mahnt die junge Fraua erneut dazu sittsam, bescheiden und rein zu bleiben und für den rechten Mann ihre Keuschheit zu bewahren. Beiden gemeinsam ist, dass sie uns erinnern nur zu sprechen, wenn wir gefragt werden und selbst keine Fragen zu stellen. (Das erinnert mich gerade an die alten Meister, die kaum Fragen beantworten, die ihnen gestellt werden.)
Was passiert nun weiter mit Parsifal, mit uns selbst? Durch die guten Ratschläge, Hinweise und Verbote sind wir in unserem eigenen Sein behindert worden. Der Gehorsam hat Auswirkungen auf unsere Instinkte. Wir können sie entweder gar nicht mehr wahrnehmen und sind völlig von ihnen abgeschnitten. Oder sie sind noch eingeschränkt vorhanden und wir interpretieren sie verzerrt und handeln entsprechend geschwächt und seltsam. Das Hemd der Mutter hat uns geschwächt unsere Instinkte wahrzunehmen und ihnen zu trauen. Es hat unser eigenes Gespür verdorben. Was wir wahrnehmen und ahnen, dem misstrauen wir. Manchmal nehmen wir diese Reize auf und dann wirken sie und auch wieder nicht. Sie wurden unzuverlässig. Wir sind durch das symbolische Hemd in unserem Grundsein beschädigt worden. Darum lohnt es sich es auszuziehen.
Dieses Hemd hat unsere Hochzeitsnacht verhindert. Das lässt sich auf die guten Ergebnisse unseres Wirkens übertragen, die wir zu wenig feiern, oder auch gar nicht, weil wir sie als unbedeutend abtun. Oder wir übertreiben und verlieren uns im ausgelassenen Sein und verpassen damit Chancen, weil wir abgelenkt sind von den Nachwehen der Übertreibungen. Wir tun dies recht schnell damit ab, das Ganze wäre gar nicht das Richtige für uns gewesen. Wir rechtfertigen unsere Nachlässigkeit. Das Hemd hat uns immun gemacht dafür die Gunst der Stunde zu nutzen.
Das Hemd der Mutter besteht aus Verboten, niemals zu werden wie ...
Es ist unsichtbar gewebt aus Ratschlägen etwas zu unterlassen oder wie es zu tun ist.
Es schützt uns vor unserer eigenen Sexualität.
Es schützt uns unsere Samen zum Wachstum zu bringen und eigene Früchte heranreifen zu lassen.
Es nährt Schmerz und Leiden im Unterleib.
Es ist gewebt aus Spott, Bloßstellung und Gelächter.
Es wurde gewebt von der Mama, von Mentoren des gleichen Geschlechtes und von alten Greisen vom anderen Geschlecht, die keiner wirklich dabei haben will bei Festlichkeiten und die dennoch erscheinen und ihr Gift versprühen.
Bei uns Frauen ist es der alte arme Greis, der so genau ausspricht, was wir vertuschen wollte n, dass es ja keiner bemerkt. Von dieser alten und nicht erwünschten Person kommt genau genommen ein Heilmittel, womit wir aufwachen und das Hemd ausziehen können.
Je länger wir das Hemd unserer Mütter tragen, desto drastischer und verletzender werden die Menschen und Umstände für uns.
Das geschieht, damit wir uns besinnen und aufwachen. Diese Leute sind notwendig, damit wir uns wieder zurück besinnen und uns erinnern, wer wir sind und was wir selbst wirklich wollen. Sie braucht es, dass wir wieder die Chancen durch den Gebrauch unserer Instinkte wahrnehmen können und ihnen folgen und die Aufgaben lösen.
eure Michaela Aust
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