Die Stille - Die Leere.
Die Stille ist leicht zu verwechseln mit der Leere.
Die Stille ist eine Zeit, in der es still geworden ist. Die Hektik ist vorbei. Es ist sozusagen Ruhe eingekehrt. Wie geht es mir mit dieser Ruhe? Was passiert mit uns, wenn es still geworden ist und leise?
Können wir diese Ruheerfahrung aushalten? Das Wort "aushalten" weist darauf hin, dass hier eine Erinnerung von "aushalten" ausgelöst wird. Das geschieht unbewusst und wird vom Körpergedächtnis erinnert. Aushalten ist mit einem schlimmen Erleben von "in die Enge getrieben worden sein und nicht weggehen können" konditioniert, also verknüpft. Wir fühlen uns leer und spüren uns nicht.
In der Stille angekommen spüren wir wie gut uns diese Phase tut. Die Leereerfahrung ist mit Endlosigkeit verknüpft. Die Stilleerfahrung ist eine bestimmte Zeitphase, die auch wieder endet und vorbei geht. Es macht einen Unterschied aus, ob wir still geworden sind oder ob wir uns leer fühlen und unser Umfeld als leer geworden ansehen.
Können wir die aktuelle Zeit als Stilleerfahrung erkennen. Eine Zeit, in der wir innen drin ruhig werden? Ganz und gar zu uns kommen können? Dann sind wir ganz bei uns. Mit uns ganz alleine. Wir halten das Steuer selbst in der Hand.
Können wir es zulassen diese Stille zu fühlen?
Schmerzt sie ist es die Leere-Erfahrung. Sie löst ein Empfinden von Unendlichkeit aus. Sind wir in der Leereerfahrung meinen wir, die Zeit würde sich nie mehr weiter drehen. Es ist, als ob das Leben in dem Moment zu Ende sei. Wir sind innerlich in Panik. Großer Stress breitet sich aus. Wir werden handlungsunfähig.
Und dann fangen wir an nach Ersatzstoffen zu suchen, die uns das Gefühl von Handlungsfähigkeit zurück geben. Hier gibt es vielfältige Arten dem Leereempfinden auszuweichen: Suchtmäßiges Konsumieren von Drogen, Nahrungsmitteln, Medikamenten, Alkohol, Arbeit. Alles wird gebraucht, damit wir abgelenkt sind. Andere neigen zu einem Zwanghaften Verhalten. Ein Vorgang wird immer neu wiederholt. Wir haben das Gefühl aktiv zu sein, etwas tun zu können.
Die Stille ist im Zeitablauf etwas ganz Normales und Natürliches ist. Es braucht sie, um ganz bei uns selbst anzukommen, ganz bei uns zu sein, nur mit uns alleine. Dann können wir diese Ruhe, diese Lautlosigkeit und das damit einhergehende Alleinsein genießen. Es ist eine Phase der kompletten Erholung von uns. Für unsere Regeneration ist diese Phase enorm wichtig. Unser Immunsystem bleibt intakt und stark.
Wir geben uns die Erlaubnis still zu werden, stille zu sein. Wir kommen mit uns selbst in Berührung. Wir beginnen uns zu spüren. "Wie geht es mir gerade?" wieder fühlen und empfinden. Wir beginnen uns zu entspannen und können das stille sein sogar genießen.
Die Stille zu erleben ist eine außergewöhnliche Erfahrung. In ihr schöpfen wir Kraft, tanken sozusagen auf. Wir werden nachdenklich. Halten wir unser Sein ganz alleine aus? Wie geht es uns in der Stille? Wir können uns bewusst erinnern, dass Stille und Leere sich ähneln. Und trotzdem sind sie verschieden. Leere wird abgewehrt, möchten wir nicht haben. Wir suchen diese Leere füllen. Wir lenken uns ab und suchen nach Aktivitäten.
Die Stille ermöglicht es uns uns wahrhaftig zu fühlen, so wie wir gerade sind. Wir ziehen uns vom Trubel und den Menschen zurück.Wir gehen aus der Menge, der Masse, der Gesellschaft heraus und nehmen uns zurück. Das tut uns gut. Wir genießen diese Zeit der Stille und schöpfen daraus neue Kraft. Neu ausgerichtet, neu motiviert, mit neuen Ideen und Schwung treten wir danach wieder hervor, in die Sichtbarkeit und gehen wieder zu den Menschen hin.
Die Leereerfahrung bewirkt genau das Gegenteil: Zwanghaft nach Kontakten streben, die dann "schon wieder" den anderen und destruktiven Kreislauf der Dramen Raum und Tür öffnen.
Fazit:
Die Stille- oder Leere-Erfahrung öffnet Türen. Je nach Ausrichtung befinden wir uns am eigenen Steuerrad, oder wir werden vom Kreislauf des Hamsterrades vereinnahmt.
co Michaela Aust, 20. Mai 2020
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