Der Tod, Ich und unser Weg

Veröffentlicht am 9. Juni 2026 um 11:20

Wie geht sterben?
Kaum einer weiß es. Und die, die es wissen, sind tot. Denken wir. 

Vor vielen Jahren gab es eine TV-Serie. Sie hieß "Ghost-Whisperer". Darin wurden anschaulich die Abläufe des Sterbeprozesses präsentiert. Mich faszinierte diese Sendung. Sie ist mir ein Puzzlestück gewesen auf dem Weg, dem ich mich regelmäßig mit dem Tod befasse. Die Themen rund um den Tod und die Phänomene, die es gibt, begleiten mich schon seit jungen Jahren. 

Die Entwicklung begann schon als Kind. Es waren die Jahre vor dem Tod meiner Oma gewesen. Meine Oma starb, als ich 9 Jahre alt war. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen. Tradition war es, dass nach dem Tod die Verstorbenen in der Leichenhalle aufgebahrt wurden, damit sich die Dorfbewohner verabschieden konnten. Der Sarg war zu diesem Zweck in unserem Dorf offen. Kerzen standen daneben und waren angezündet. Manchmal stand ein seltsamer Geruch im Raum. Diesen Geruch mochte ich nicht. 

Damals hatte ich eine Freundin. Wir beiden Mädchen waren mit etwa 7 - 9 Jahren an den Verstorbenen interessiert. Sobald uns bekannt wurde, dass ein Dorfbewohner gestorben war, spazierten wir zum Friedhof und gingen "Leichen anschauen". Es war für uns normal die Toten zu besuchen und ihnen Weihwasser zu geben. 

Das Leben ging weiter. 

Es führte mich zu meiner Schwiegermutter. Sie erzählte gerne von den Toten und den Zeichen, die es vorher gibt. Mein Interesse am Thema war wieder geweckt. Ich forschte und fand heraus, dass mir auch die Zeichen übermittelt werden, dass es einen Sterbefall geben wird. Mit der Zeit wurde mir das unheimlich. Es waren zu viele geliebte Begleiter gestorben. Ich wollte nie mehr etwas wissen. Tatsächlich schaffte ich es alles zu verdrängen, dass ich nicht mehr informiert wurde, dass jemand stirbt. 

Dann starb mein Vater. 

Ich wollte mich erinnern. Ich wusste, dass sein Erdenweg zu Ende sein würde. Wie der Vorgang des Sterbens ablaufen würde, das war mir unbekannt. Ich wusste nur, dass es ein großes weißes Licht gibt, das auftaucht und für uns Lebende unsichtbar bleibt. Ich wusste von Moody, dass die meisten Menschen hier schöne Erfahrungen haben. Moody hatte jedoch auch bemerkt, dass bei manchen Personen dieser Übergang weniger schön abläuft. Die Bücher von Moody hatte ich einst als Schülerin in der Stadtbibliothek gefunden und alle von Anfang bis Ende durchgelesen. Und das, obwohl keine Bilder darin waren, sondern nur Seiten mit Buchstaben. 

Bei der Beerdigung meines Papa traf ich seine Schwester, meine Tante. Ich staunte, was sie alles vom Sterben wusste. Sie weckte mein Interesse wieder. An dem Tag war ich dankbar, dass ich mit jemanden über die Phänomene sprechen konnte, die am Grab geschehen waren. 

Kurze Zeit später lief die Fernsehserie "Ghost Whisperer", der Frau, die mit den Toten spricht.
Zu der Zeit probierten meine Tochter und ich uns an Familienaufstellungen. Manchmal kam just in dem Momenzt, als es um einen Verstorbenen ging, die Sonne heraus und blickte hell ins Zimmer. Ich lernte dies als Zeichen zu sehen, dass dem Verwandten eine Tür geöffnet wurde, durch die er hindurchgehen konnte. 

Viele Jahre später lernte ich in meiner schamanischen Ausbildung spezielle Techniken, mit den Storbenen in Kontakt zu treten, mit ihnen Gespräche zu führen und sie in den unterschiedlichen Bereichen im Himmel zu besuchen und sie ein Stück weit auf dem Weg zum Menschenhimmel zu begleiten. 

Diese Aufgabe füllte mich aus. Schnell wurde der Stammbaum herausgeholt. Viele Verwandte wurde von mir besucht. Es entstanden immer schöne Gespräche. Auf diese Weise konnten sie mich kennenlernen und ich sie. Das tat uns beiden gut. 

Dann starb meine Mutter.

In Gesprächen mit dem Hospiz und weiteren Institutionen, die mit Sterbenden in Kontakt sind und sie begleiten, stellte ich fest, dass ihnen der Zugang zu Menschen, den ich gelernt habe, fehlt. Sie wissen auch nicht, wie sterben abläuft und was uns nach dem Tod auf der anderen Seite erwartet. Manch einer glaubt, dass es nichts mehr gibt. 

Ich habe bemerkt, dass die Bibel uns hier alleine dastehen lässt und keine Antworten gibt. Meine katholische Religion macht den Menschen Angst. Ich habe gelernt, wenn wir Sünden begagnen haben, dann komme wir in die Hölle oder ins Fegefeuer. Nur makellos kommen wir an Petrus vorbei uns werden von ihm durch die Türe gelassen, damit wir in den Himmel hineingehen können. 

Diese Angst steckt in den Menschen. 
Sie ist weiter verbreitet, als man denkt, sage ich. 
Die Angst vor der Hölle und dem Fegefeuer ist riesengroß. 
Manch einer schweigt und sagt nichts. j

Weitere Ängste können im Raum stehen.
Die Angst die Dinge nicht in Ordnung gebracht zu haben. 
Die Angst wie es ohne den Sterbenden mit den Lebenden weiter gehen soll. 
Die Angst für verrückt erklärt zu werden, wenn sie von dem erzählen, was sie sehen. Hier meine ich die Angst zu sagen, dass sie ihren Partner, ihre Eltern oder Geschwister sehen und sich freuen zu ihnen zu gehen. 

Da fällt mir mein Opa ein. Ich besuchte ihn damals im Krankenhaus. Er erzählte mir freudestrahlend, dass er die Oma, seine Ehefrau, im Traum gesehen hatte. Sie hatte ihm gesagt, dass sie bald wieder zusammen sein werden. Kurz danach ist er gestorben. 
Er konnte davon reden. 
Andere nicht. 

Und nochmal andere artikulieren ihre Angst und wünschen sich Antworten, wie es ist zu sterben. 
Was ich festgestellt habe, dass diese interessierten Personen alleine gelassen werden von Hospiz und entsprechenden Stellen. Diese Mithelfer sind nicht auf spirituelle Antworten ausgebildet. Vielleicht gibt es Einzelne, die sich privat mit außersinnlichen und spirituellen Dingen befassen und Antworten geben. Wenn nicht, bleibt der sterbende Mensch mit seiner Angst sich selbst überlassen. Traurig. 

Was mir noch aufstösst ist die Einstellung sich nicht in Familienangelegenheiten einzumischen. 
Es gibt weit mehr Streitigkeiten, als man denkt. Dies sind Tabuthemen. Dies sind Themen, die am Ende des Lebens stehende Personen belasten ihren Weg friedich zu beenden und guter Dinge drüben, auf der anderen Seite anzukommen. 

Ich wünsche mir mehr spirituelle Begleitung von Menschen, die in der allerletzten Wegstrecke des aktuellen Lebens angekommen sind. 
Vielleicht sind auch die Glaubensgemeinschaften hier in der Pflicht für Seelsorge? Eine Pflicht, die sie aus Gründen nicht erfüllen. Spätestens in einem Alterswohnsitz und im Hospiz braucht es Besuche von geistlich geschulten Personen. 

Die Wünsche eines Menschen, der Angst hat, welche sind es?
Es wird zu sehr auf Verfügungen geachtet, die geschrieben wurden, als die Welt noch in Ordnung gewesen war. 
co Michaela Aust

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